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Angst frisst Seele auf

Erster Tag im Handballcamp gut überstanden, das Material im Lehrerzimmer der Sporthalle verstaut und hierfür den Schlüssel vom Hausmeister für die restliche Woche bekommen. Alles wunderbar… ins Auto eingestiegen, umgeparkt und dann verdammt, wo ist jetzt der Schlüssel? Angst, Panik, Herzschlag, Horrorszenarien vor Augen.

Innerhalb von Sekunden haben sich mir sämtliche Konsequenzen dieses Schlüsselverlustes aufgetan, denn Drama kann ich gut! Mit Drama meine ich, mögliche Konsequenzen und deren Folgen in Sekunden zu erfassen. Diese Art von Denken ist in Krisensituationen sicherlich von Vorteil, jedoch bei Alltagsdingen eher belastend.

Bis dato ging ich davon aus, dass dies ein Generalschlüssel für die Halle war und das kann bekanntlich teuer werden. Ich suchte verzweifelt sämtliche Wege und Taschen ab, aber von Schlüssel keine Spur… Daraufhin schlich ich zum Hausmeister und informierte ihn bezüglich eines möglichen Schlüsselverlustes.

Dieser war völlig entspannt und meinte nur „Der taucht scho widda auf und ist eh ned so wichtig.“ Wie, kein Generalschlüssel? Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich lief beruhigt zum Auto. Der Verlust hatte also keine weitreichenden Folgen, somit konnte ich mich entspannen und dadurch setzte mein Denken wieder ein.

Denn auf dem Weg zum Auto fiel mir eine weitere Möglichkeit ein, wo der Schlüssel sein konnte… Und da war er auch, nämlich im Auto zwischen Sitz und Mittelkonsole. Auf der Heimfahrt ließ ich dann die Situation nochmals Revue passieren und mir wurde wieder einmal deutlich „Angst frisst Seele auf!“.

Tagtäglich werden wir in den Medien mit Ängsten, Leid und Horrorszenarien „beschallt“, die wir in 98 % der Fälle nie selber erleben werden. Doch was machen wir? Anstatt unser Leben zu leben, versichern wir uns gegen alles und jeden und verpassen dadurch viele Chancen, Möglichkeiten und die Entwicklung unseres Talents.

Es gibt keine Sicherheit im Leben, nur verpasste Chancen! Gerade im Wettkampf sind viele Sportler mehr mit den Konsequenzen beschäftigt, anstatt sich mit der momentanen Situation auseinanderzusetzen. Und ja, wir brauchen Fehler und die damit verbundenen Erfahrungen, um daraus zu lernen.

Doch welche Variante ist die Erfolgreichere?
Fehler zu vermeiden oder kreative Lösungen für die jeweilige Situation zu finden?

Wer Fehler vermeiden will, agiert häufig nach Schema F und dadurch wird die negative Situation manifestiert. Wer dagegen nach kreativen Lösungen sucht und sich die Frage stellt, was steht mir aktuell an Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, wird auf Dauer kreative Lösungen und einen entspannteren Umgang mit kritischen Situationen erlernen.

Der Fokus darf daher nie auf das Problem, sondern muss zwangsläufig immer auf die Lösung gerichtet sein! Denn nur dadurch erhalte ich Sicherheit und bin unabhängig von äußeren Umständen & Bewertungen.

Diese Art zu denken und vor allem zu handeln, bedarf einer ständigen Selbstreflexion und ist sicherlich nicht immer einfach. Dennoch lohnt es sich, denn wer selber denkt und handelt kann weniger manipuliert werden und ist vor allem eines: Ein Mensch, der Verantwortung über sein Leben übernimmt!

Angst frisst Seele auf!
Wer frisst Dich?