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Golf-Tagebuch: Spiel dich frei

Golfen ist immer ein Blick hinter die eigene Seele. Sofern man sich ernsthaft mit sich und seinem Spiel auseinandersetzt. Jede noch so kleine Diskrepanz zwischen Denken, Emotion und Spiel wird einem aufgezeigt. Dem einen früher, dem anderen später.

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Das Schwierige am Golfen ist, dass sich viele gerne hinter der Technik verstecken. Sicherlich viel Üben hilft viel und gibt Sicherheit auf dem Platz, doch der wirkliche Genuss kommt mit der Gelassenheit und dem Wissen aus jeder Lage das Beste zu machen.

Ich bin dieses Jahr nur schwer in die Saison gestartet. Corona hat mir komplett den Stecker gezogen und schlimmer noch… Ich hatte nicht einmal Lust zu spielen. Klar, habe ich trotzdem gespielt und trainiert, was halt so eine ehemalige Leistungssportlerin eben tut.

Ohne Vertrauen kein Spiel

Und trotzdem oder gerade deswegen fand ich mein Spiel irrelevant. Ich hatte keinen Zugriff und somit auch kein Vertrauen mehr. Durch meine mutlose Sicht der Dinge hatte ich – gefühlt – keine Handlungskompetenz, mir fehlte jegliche Freude am Golfen.

Logischerweise hatte ich auch gute Schläge, aber die Freude blieb aus. Noch schlimmer ist es, wenn du zwar das Wissen im Kopf hast, jedoch dein Können nicht auf den Platz bringst. Übrigens Techniktraining hat mir am wenigsten geholfen, denn Vertrauen bekommt man nicht, wenn man den Ball zehn Meter weiterschlägt und sich die Geschwindigkeit lt. Trackman erhöht hat.

Noch schlimmer waren für mich Turniere, wo ich gut gespielt habe, jedoch Minimum vier Löcher streichen musste. Frustrierend, manche Dinge kann und soll man sich auch nicht schönreden. Wieso überhaupt noch golfen, wenn ich mir nicht vertrauen kann?

Doch was hat Vertrauen mit meinem Golfspiel zu tun? Dies musste ich Freitag leidvoll in einem Turnier erfahren. Gut gespielt und wieder einmal vier Löcher gestrichen. Festgefahrene Denkstrukturen kann man nicht von jetzt auf gleich ändern. Doch mit der Erkenntnis konnte ich zumindest besser damit umgehen.

Vertrau dir, sonst tut es keiner für dich

Am Tag darauf durfte ich für meinen Heimatclub bei der Turnierform Top 40 antreten. Unbekannter Platz, spannende Bedingungen mit Schräg- und Höhenlagen, Trockenheit, alles was der Golfer vermeiden möchte. Gleich die ersten Bahnen wurde von meiner Psyche alles abverlangt. Schlechte Technik in der Annäherung, missratene Abschläge, zu kurze Putts, usw. und doch war es diesmal anders.

Es war egal! Von Loch zu Loch fing ich an, wieder meinem Spiel und somit mir zu vertrauen. Und… ich hatte einen glücklichen Tag. Bälle, die verloren schienen, wurden von meinen Mitspielern wiedergefunden, oder schlecht geschlagene Bälle sprangen vorteilhaft in gute Positionen. Ich nahm die Situation wie sie ist und machte das Beste daraus. Sobald ich jedoch wieder in den Ergebnismodus kam, fing ich sofort mit einer wingwave-Übung an, um meine Nerven in den Griff zu bekommen.

Und siehe da, plötzlich fielen die Putts und meine Annäherungen funktionierten wieder. Ab der Bahn 16 wusste ich, dass ich gut unterwegs war und überlegte mir, wie ich jetzt mit der Situation umgehe. Ich entschloss mich, einfach das Spiel zu genießen und amüsierte mich über schlechte Schläge mit gutem Ergebnis.

Für mich jedoch ein absolutes Highlight in meiner Golfer Karriere war die Bahn 18. Ein Paar drei mit ca. 120 m über Wasser, direkt auf das Schloss von Reichmannsdorf. Was tun? Ein Schlüssel zum Erfolg an diesem Tag, war mein relativ kontrollierter Golfschwung und was konnte ich schon verlieren. Also aufteen, 7er Eisen schwingen und rauf aufs Grün.

Ich muss zugeben, meine Begeisterung war grenzenlos! Ich hatte noch 1,5 m zum Loch und versenkte den Putt zum Birdie. Mit meinem Score konnte ich zum Tagessieg meiner Mannschaft beitragen, was für mich jedoch weitaus wichtiger war… „Kontrolle ist gut, Vertrauen jedoch viel wichtiger!“

Ein gutes Turnier und ein neues Handicap sind jedoch immer nur eine Momentaufnahme, daher ist Golf spielen so spannend. Ich weiß nicht, was im nächsten Turnier passiert und das ist jetzt meine Aufgabe! Gelassenheit und Vertrauen unabhängig vom Ergebnis in mein Spiel zu bekommen…

Let´s swing and play!