Bild commov.de | Artikel Kopfarbeit macht müde

Kopfarbeit macht müde

Welcher Spielstand ist gerade? Wieviel Zeit haben wir noch? Diesen Fragen habe ich bis jetzt keinerlei Bedeutung zugesprochen, doch nach einer Fortbildung hat sich meine Sichtweise hierauf komplett verändert…

Es ist daher immer gut sich weiterzubilden, um entweder seine Meinung oder persönliche Philosophie zu bestätigen oder eben auch einfach dazuzulernen. So erging es mir bei einer Handball-Fortbildung mit dem Trainer der männlichen A-Jugend National-Mannschaft.

Er ließ die Mannschaft spielen, wir schauten interessiert das Treiben zu und plötzlich unterbrach er das Spiel und fragte: „Und wie ist der Spielstand?“ Äääääh, wiiiiie Spielstand! Ist das jetzt wichtig? Unser Fokus war auf ganz andere Dinge gerichtet und doch machte es „KLICK“ in meinem Hirn.

Die Erklärung folgte von diesem Trainer logischerweise sofort, denn wie kann ich Einfluss auf das Spiel nehmen, wenn ich nicht weiß, wie der Spielstand und die verbleibende Zeit ist? Im Spiel hat man für gewöhnlich eine Anzeigetafel, wo man sich informieren kann, doch im Training wird hier selten darauf geachtet. Man spielt halt einfach nur… Doch gerade dieses wir spielen „einfach nur“, ist auf Dauer kontraproduktiv!

Wir hatten immer wieder die Diskussion, wie man einen Wettkampf „simulieren“ kann und demzufolge den 100%igen Einsatz des Spielers. Schwierig, dies geht selten mit Appelle, sondern mit Zusatzaufgaben und dementsprechenden Konsequenzen.

Bei einem Trainingsspiel muss folglich jeder Spieler den Spielstand wissen, hier gibt es keine Anzeigetafel. Das erfordert eine erhöhte Konzentration für den Kopf und steigert somit auch die Trainingsqualität. Wer nur „körperliche Übungen“ abarbeitet, wird auf Dauer im Wettkampf Schwierigkeiten haben, Lösungen in kritischen Situationen zu finden.

Es ist daher enorm wichtig, dass Kinder & Jugendliche frühzeitig lernen, in welcher Situation befinde ich mich gerade, um daraus Lösungen für die jeweilige Situation zu erarbeiten, sprich „Handlungskompetenz“ zu erlernen. Hierzu ist der Trainer genauso in der Pflicht, wie der Spieler!

Denn der Trainer ist VORbild! Ich muss wissen, was Sache ist, dann kann ich das auch von meinem Spieler einfordern. Egal, ob im Training oder Spiel! Daher ist es wichtig im Training auch den Fokus auf die „Kopfarbeit“ zu richten.

Welche gedanklichen Zusatzaufgaben gebe ich daher meinen Spielern, so dass diese immer wieder neue Reize erhalten?

Denn wir wissen: „Kopfarbeit macht müde!“
Läufst du noch oder denkst du schon?!