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Rund laufe ich nicht – laufen tue ich trotzdem

Seit Jahren versuche ich mich immer wieder zum Laufen zu motivieren, doch jedes Mal versage ich kläglich nach zwei Wochen und höre mit der Ausrede „aus zeitlichen Gründen“ frustriert wieder auf.

Aus zeitlichen Gründen! Schöne Ausrede oder? Aus irgendwelchen Gründen wollte und konnte ich mich nicht quälen, denn laufen war für mich in der Vergangenheit immer mit „Quälerei“ verknüpft. Ein lockeres, entspanntes Joggen war für mich gedanklich zwar als Bild vorhanden, doch mein Unterbewusstsein hatte hierzu eine völlig andere Auslegung, nämlich „Quälerei“. Und wer will sich schon freiwillig quälen? Ich auf jeden Fall nicht!

Viele Handlungen, die wir tun oder eben nicht tun basieren logischerweise auf den Erfahrungen in unserer Vergangenheit. Meine Vergangenheit bestand aus jahrzehntelanger Disziplin und Entbehrung für den Sport, dazu gehörte auch zum Beispiel ein intensives Training für den Marathon.

Die Erfahrungen und erreichten Erfolge waren toll und ich bin immer noch begeistert davon, dass ich es geschafft habe… Doch leider hat mein Gehirn nicht nur die Erfolge gespeichert, sondern auch im Rückblick allen voran das intensive Training. Folglich an was erinnert sich nun mein Bewusstsein, wenn ich mich entschließe wieder laufen zu gehen?

„Ach neee, nicht schon wieder die vielen Läufe und Einheiten und wenn du das Laufen anfängst, dann willst du sicherlich gleich wieder einen Marathon laufen. Und dann bist du wieder jeden Tag unterwegs und hast für andere Dinge keine Zeit. Deine Knochen sind auch nicht mehr die Jüngsten!“ Ey Sabine, du kannst ruhig mal das Laufen anfangen, ich mache da höchstens zwei Wochen mit und dann ist Ende Gelände!“

Sprich der Wille war immer da, aber das Unterbewusstsein kennt mich einfach besser, sprich ich beende meine Laufkarriere schneller als ich angefangen habe. Spannend oder? Ich wollte die letzten Jahre nie einen Marathon laufen, sondern einfach nur für meine Fitness, aber meine Gedanken an die „Quälerei“ waren so in meinem Unterbewusstsein präsent, dass ich mich einfach nicht aufraffen konnte.

Es war frustrierend, weil ich wollte, konnte aber nicht! Letztendlich war es mir auch egal, weil ich hatte genug um die Ohren und auch sonst meinen sportlichen Ausgleich. Doch die letzten Wochen packte mich dann doch der Ehrgeiz und ich wollte endlich der Ursache auf den Grund gehen.

Ich fing mit alten Schuhen das Laufen an, quälte mich wirklich die ersten Runden über die Zeit, doch irgendwas war anders… Ich hatte auf einmal Spaß! Ich musste nicht, ich konnte! Wenn mir die Puste ausging oder mein Hund pinkeln musste, hörte ich auf zum Laufen, ohne schlechtes Gewissen und den Fokus auf irgendwelche Trainingszeiten und Ziele.

Meine Gedanken haben sich von der Quälerei auf die „Bewegung“ fokussiert. Das ist ein völlig anderer Ansatz und somit auch für mein Unterbewusstsein wesentlich leichter zu ertragen. Ja, die Knochen tun weh, ja die Zeiten sind katastrophal und nein, ich habe ausnahmsweise kein Ziel, aber es macht verdammt nochmals Spaß!

Und genau darum geht es! Wenn wir etwas tun wollen, aber keinen Spaß daran haben, dann lohnt es sich der Sache auf den Grund zu gehen. Häufig hilft es bereits den Fokus zu verändern, denn Bewegung verändert den Blickwinkel…

Und was willst du tun, kannst es aber nicht?