Als Sportler kennt man die Auseinandersetzung mit Schmerzen und Verletzungen, so dass es sehr hilfreich sein kann, seinen Körper gut zu kennen. Bei einer gesunden Körper-Wahrnehmung lernt man über die Jahre hinweg, welche Schmerzen wirklich körperlich und welche eher psychosomatisch bedingt sind.
Ein Schlüsselerlebnis hierfür war für mich vor 10 Jahren die Nacht vor meinen Berlin-Marathon, wo ich mich mit Schmerzen im Oberschenkel quälte. Für diese Schmerzen gab es keinerlei Ursachen, so dass mir bewusst wurde, dass meine Ängste und Sorgen sich psychosomatisch auf meinen “Oberschenkel gelegt” haben. Die Angst vor dem Versagen saß sozusagen im meinen Oberschenkel.
Gefahr erkannt – Gefahr gebannt! Nach gutem persönlichem Zureden waren die Schmerzen am nächsten Tag zwar noch leicht vorhanden, jedoch beim Start verflogen und ich konnte mich auf das Laufen konzentrieren. Durch das damalige Training und die psychischen Erfahrungen für mein großes Ziel “Marathon” habe ich daher viel über meinen Körper “erfahren” und gelernt.
Mittlerweile kann ich sehr gut unterscheiden, ob meine Schmerzen seelische oder eben körperliche Ursachen haben. Und je nach meiner Wahrnehmung setze ich mich persönlich damit auseinander oder gehe zum Arzt oder Apotheker …
In meinem Umfeld sieht dies jedoch mittlerweile (leider) anders aus! Die bewusste Auseinandersetzung im Sinne der eigenen Wahrnehmung ist vielen komplett abhandengekommen und wird durch Ibuprofen-Tabletten oder lustvollen Leiden mit intensivem Sofa-Liegen verdrängt. Die Folge daraus ist zwar ein kurzfristiger Erfolg in Form von “Geht schon!” Längerfristig ist diese Art und Weise mit “SCHMERZ” umzugehen jedoch kontraproduktiv und für den Körper extrem schädlich.
Gerade “Freizeitsportler”, die bei den kleinsten Anzeichen jedes Mal gegen den Schmerz oder noch schlimmer prophylaktisch Ibuprofen einnehmen, schaffen sich so den Freifahrtschein für einen vermeintlich “schmerzfreien Sport” mit Nebenwirkungen. Leider wissen die wenigsten, dass zu oft eingenommene Schmerzmittel selbst Schmerzen auslösen können.
Wir nehmen also Medikamente gegen den Schmerz ein, die wiederum Schmerzen auslösen! Wie schizophren ist das denn?! Sicherlich gibt es im Sport immer wieder Situationen, wo Schmerzmittel notwendig sind, es ist jedoch die Frage wie lange! Wenn man vor jedem Training, vor jedem Spiel zum Medikament greift, sollte man sich dringend fragen, ob dies wirklich notwendig ist und wenn ja, wie dieses Dilemma anders zu lösen ist.
In jungen Jahren ist dieser Medikamenten Konsum sicherlich besser zu “verkraften”, doch auf Dauer nicht zu verantworten. Auch wenn die Motive häufig ehrenwert sind, wie
- ich kann doch die Mannschaft nicht im Stich lassen …
- ich will unbedingt das Turnier gewinnen …
- jetzt bin ich schon so weit gekommen …
- der Indianer kennt keinen Schmerz …
- was denken, die anderen …
- …
So toll diese Moral- und Wertvorstellungen sind, aber nüchtern und sachlich betrachtet sind diese einfach nicht zu akzeptieren. Wer wirklich auf Dauer erfolgreich sein will, benötigt hierzu einen gesunden und leistungsfähigen Körper und Geist! Das bedeutet, ein ausgewogenes Training mit sinnvollen Regenerationsphasen, psychisch wie physisch.
Was fühlst du heute und bist du FIT?!
