Artikel-Schlagworte: „Schmerz verlernen“
Torhüter sind anders als andere Menschen … Einzelkämpfer in einem Mannschaftssport und so manches Mal vermeintlich Herr über Sieg oder Niederlage. Hinzukommt, dass Spieler den Ball “haben” und ein Tor werfen oder schießen wollen. Ein Torwart will dies mit allem was er hat, Körper und ggf. Sportgerät, vermeiden.
Und dieses “Vermeiden” kann unter anderem sehr schmerzhaft sein. Körpertreffer sind definitiv kein Spaß! Jeder, der die Meinung vertritt, dass ein Torwart nur rumsteht, sollte sich ins Tor stellen und “versuchen” einen Ball abzuwehren. Im Handball z.B. ist es schon eine “Überwindung” sich den Ball innerhalb 6m entgegenzustellen und mit dem Körper abzuwehren.
Aus eigener Erfahrung als Handball-Torwart kann ich sagen, dass ich nach so manchem Training und Spiel teilweise den Ball-Abdruck auf der Haut habe sehen können, von den Blutergüssen ganz zu schweigen. Doch um gerade diesen “Schmerz” ertragen zu können, benötigt man eine gute Technik und dauerhaftes Torwarttraining, insbesondere in der Jugend.
Leider werden die Torhüter immer noch gerne im Training vernachlässig, denn zum einen braucht man einen zusätzlichen Trainer und dieser Trainer sollte sich dann auch noch mit der Thematik “Torwart” auskennen. Welcher Verein – außer Profi-Mannschaften – haben diese Möglichkeiten?
Im Übrigen ein guter Torwart benötigt andere Fähigkeiten als ein Spieler und das auch wiederum individuell auf den Sportler zugeschnitten. Also mal schnell einen Torwart zu trainieren ist zwar besser als nix, jedoch komplexer als es möglicherweise aussieht. Hierfür mussten erfolgreiche Torhüter, wie z.B. Manuel Neuer oder Thierry Omeyer jahrelang hart trainieren.
Zu diesem jahrelangen Training gehört unter anderem auch Abhärtung. Logischerweise ergibt sich das automatisch im Training durch Wurf- und Schussserien, doch dazu gehört auch das bewusste Ausreizen von Körpertreffern. Sicherlich unterscheidet sich Training und Wettkampf allein schon durch das Adrenalin bedingt, d.h. im Wettkampf spürt man die Schmerzen weniger.
Und doch ist das emotionale Schmerzempfinden eines Torwarts enorm wichtig. Denn umso weniger man Schmerzen empfindet, umso mehr kann man sich auf den Ball und die Situation konzentrieren. Gerade Schmerzen “brennen” sich mental ins Unterbewusstsein und sind nur schwer durch Logik und rationellem Denken aus dem Kopf zu bekommen.
Daher ist es enorm wichtig durch ein gutes Torwarttraining, das Schmerzempfinden dauerhaft und individuell zu trainieren. Dazu gehören eine Steigerung, der Wurf- und Schussstärke sowie viele kleine und große Erfolgserlebnisse, die letztendlich in der Anzahl (Erfolg – Misserfolg) positiv überwiegen.
Denn nichts ist besser für den Kopf als einen wichtigen Ball mit den Körper abgewehrt zu haben, denn hier erinnert sich zwar der Kopf an die Schmerzen, aber die Freude und der Erfolg überdecken mental und emotional den Schmerz.
Train hard – feel good!
Die Zeitschrift GEO befasst sich in der diesjährigen Mai-Ausgabe mit dem Thema “Befreiung vom Schmerz”. Als Sportler ist ja der Schmerz mehr oder weniger ein dauernder Begleiter, insbesondere nach Verletzungen. Was sind jedoch überhaupt Schmerzen und wie kann ich damit umgehen?
Dafür fragen wir doch wieder unser “unser schlaues Wikipedia-Lexikon”:
Was ist ein “Schmerz”?
http://de.wikipedia.org/wiki/Schmerz
“Schmerz ist eine komplexe Sinneswahrnehmung, die als akutes Geschehen den Charakter eines Warn- und Leitsignals aufweist, als chronischer Schmerz diesen aber verloren hat und in diesem Fall (als Chronisches Schmerzsyndrom) heute als eigenständiges Krankheitsbild gesehen und behandelt werden soll …”
Woher kommt der Schmerz jedoch? Als Sportler, vorrangig nach einer Verletzung. Je nachdem wie schwerwiegend diese Verletzung ist, desto schneller kann der Sportler wieder am Start sein. Es gibt jedoch einige Sportler, die es nicht mehr schaffen, nach einer schweren Verletzung an ihre guten Leistung von vorher anzuknüpfen, dann heißt es so schön, “Er ist nicht mehr der alte …!”.
Was ist hier passiert? Hierzu sollte man wissen, dass man Schmerzen erlernt, d.h. jeder neue Schmerzreiz hinterlässt Spuren in unserem Gehirn. Dauern die Schmerzen an, kann es sein, das unser Gehirn auf einen Dauer-Schmerz umprogrammiert wird (chronische Schmerzen).
Mittlerweile hat die Medizin erkannt, dass durch eine schnelle Schmerzlinderung diese “negative Schmerz-Programmierung” verringert werden kann. Das ist jedoch kein Freibrief für die erhöhte Einnahme von Medikamenten, auch wenn die Einnahme von Ibuprofen zur Zeit besonders bei älteren Sportlern beliebt ist. Wie gehe ich jedoch als verletzter Sportler nun mit dieser neuen Situation um?
Oft haben wir erlebt, dass Spieler sich vor Schmerzen nach einem Zweikampf auf dem Boden gekrümmt haben, dann nach einer kurzen Behandlung mit dem so genannten „Wunder-Eis“ aufgestanden sind und weitergespielt haben. Besonders bei bereits vorhandenen Blessuren ist dies augenscheinlich. Wenn man eine Verletzung über einen längeren Zeitraum hat, die nicht auskuriert wird, dann merkt sich das Gehirn logischerweise das, so z.B. beim Umknicken des Knöchels. Für einen Sportler eine sehr unangenehme Verletzung, jedoch nicht so schwerwiegend, das man wochenlang außer Gefecht gesetzt ist. Folglich wird der Fuß getapt oder geschient, meistens noch eine Ibuprofen-Tablette vor dem Spiel eingenommen und schon kann es losgehen.
Am Anfang macht die Verletzung auch keine Probleme, wenn man aber z.B. im Eifer des Gefechts auf den Fuß eines Mitspielers steigt, knickt der Knöchel wieder um und man liegt “vor Schmerzen gebeutelt” am Boden. Häufig ist die Verletzung gering, denn durch die Schiene oder das Tape ist ja der Knöchel stabil, jedoch unser Gehirn erinnert sich sofort an die Schmerz-Erfahrung der ersten Verletzung und vergleicht sekundenschnell mit dem jetzigen Schmerz. Meistens erkennt man selber, ob es eine neue Verletzung ist oder “nur” das Erinnern an das Schmerzempfinden der alten Verletzung.
Viele Sportler bekämpfen ihre Schmerzen zulange mit Medikamente und betäuben dadurch logischerweise ihr Schmerzempfinden, wundern sich aber dann, dass das Schmerzempfinden immer wieder kommt, obwohl die Verletzung eigentlich ausgeheilt ist, ähnlich bei Phantomschmerzen nach Amputationen. Daher ist es wichtig, das als Grundlage für eine “komplette Heilung” (Körper & Geist) immer die Verletzung medizinisch ausgeheilt ist. Im Heilungsprozess sollte jedoch auch ein Fokus auf das Schmerzempfinden gelegt werden, d.h. so wie wir den Schmerz erlernt haben, so sollte der Sportler auch wieder seinen Schmerz verlernen!
Bei kleineren Verletzungen reicht häufig das Bewusstsein über diese Tatsache aus, so dass man sich immer wieder selber daran erinnert, dass alles OK ist. Bei schwerwiegenderen Verletzungen sollte man einen Coach hinzuziehen, der mit dem Sportler z.B. seine Stärken und das positive Gefühl vor der Verletzung wieder erarbeitet. Hierzu gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine sehr effektive Methode ist die EMDR-Therapie oder darauf basierend die sehr effektive wingwave® -Methode. Vor allem umso schneller man sich mit dem Thema “Schmerz” positiv befasst, um so wahrscheinlicher ist ein schneller Heilungsprozess …
Heute schon den Schmerz verlernt?
