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Torwart – Potenzial

Als Torwarttrainerin habe ich immer wieder das Vergnügen mit unterschiedlichen Torwart-Typen zusammenarbeiten zu dürfen. Wie überall gibt es auch hier unterschiedliche Charakteren, Techniken und „Körper-Konstitutionen“. Dafür verwundert es mich umso mehr, dass anscheinend einige Trainer ihre Torhüter über den sogenannten „Kamm scheren“.

Durch diese „Verallgemeinerung“ verhindert man jedoch die 100%ige Ausschöpfung der jeweiligen persönlichen Potenziale. Sicherlich sollte jeder Torwart die Grundtechnik beherrschen, doch danach kommen die jeweiligen Spezifikationen und Eigenarten, die zu Stärken ausgebaut werden sollten.

Ein kleinerer Torwart hat logischerweise andere Voraussetzungen, als ein großer Torwart! Folglich ist die Technikausführung unterschiedlich, dies darf jedoch in keine Bewertung mit schlecht oder gut kommentiert werden. Im Gegenteil, ein großer Torwart kann durch seine Größe langsamer in der Bewegung sein, als ein kleiner Torwart, muss aber nicht…

Daher macht es Sinn, dass bereits Kinder und Jugendliche wissen, welchen Konsequenzen die jeweiligen Torwart-Grundtechniken haben. Denn nur, wenn ich genau weiß, was ich tue, kann ich dementsprechend positiv auf Fehler reagieren und meine persönlichen Stärken bewusst einsetzen.

Wie überall gibt es zu Techniken unterschiedlichen Meinungen und Informationen, doch genau das ist die Aufgabe eines Trainers zusammenzufassen und dem Sportler so zu vermitteln, dass dieser, die für sich beste Wahl treffen kann. Es hilft wenig, einem Torhüter eine Technik vorzugeben, mit der er sich unwohl fühlt, insbesondere, wenn damit Ängste verbunden sind.

Wer schon einmal in einem Handball-Tor gestanden hat und Nah-Würfe von außen bekommen hat, der weiß um diese Problematik. Daher ist es wichtig, bereits in jungen Jahren immer wieder Technik-Übungen ins Torwart-Training zu integrieren. Hat man diese Technik-Ausbildung nicht bekommen, hilft nur Step-by-Step mit viel Geduld sich an die neue Technik zu gewöhnen.

Hierzu sollte man wissen, wie das Gehirn bzw. wie Lernen funktioniert:

… Unser Gehirn weist eine neuronale Plastizität auf. Synaptische Verknüpfungen sind nicht fest verdrahtet wie die Leitungsbahnen auf einer Elektronikplatine. Zwar gibt es dominante Denk- und Verhaltensmuster, aber auch die können sich ändern – eben je nach der Art und Weise, welchen Anforderungen wir ausgesetzt sind. Das gilt auch für unsere Persönlichkeit. Jeder Mensch hat Teilpersönlichkeiten, deren charakteristische Muster erlernt sind. Und je nach Situation sind wir in der Lage, das eine oder das andere Muster zu aktivieren. Oder Neues auszuprobieren. Erweist sich ein neues Muster als nützlicher als ein altes Muster, wird es abgespeichert. Verwenden wir es immer wieder, wird es gestärkt …

Quelle:
Sind Sie eine multiple Persönlichkeit? von Constantin Sander
von www.mind-steps.de

Allein daher sollte im Torwart-Training immer personenspezifische Hinweise gegeben werden, die der jeweilige Torwart auch wirklich auf sich beziehen kann. Pauschalaussagen sind hier weniger unterstützend und können daher eher demotivierend sein. Es lohnt sich daher genauer auf die Talente & Fähigkeiten seines Torhüters zu achten…

Dies gilt natürlich für alle Sportler und nicht nur für Torhüter… 🙂
Erkenne Dein Potenzial!

PS: Text von 06.07.2011 überarbeitet, aber immer noch aktuell.