Was glaubst du denn?!

Wieso glauben wir an Dinge, die wir nie erlebt haben? Und nehmen diesen Glauben als Basis für unser Handeln?! Selbst wenn wir wissen, dass dies ein Irrglaube ist, halten wir lieber daran fest, als das Handeln zu verändern. Sinn im Sinne von Unsinn?

Ein Glaube ist immer auch eine Kette von Erfahrungen und (möglichen) Konsequenzen. Kinder lernen laufen durch TUN, d.h. hinfallen und aufstehen, solange bis sie laufen können. Je älter man wird, umso mehr ist man sich jedoch der Konsequenzen bewusst.

Folglich kann eine mögliche Konsequenz sich zu einem Glauben manifestieren, ohne dass man jeweils eine Erfahrung damit gemacht zu haben.

Beispiel:
Ein Torwart glaubt, dass er eine bestimmte Technik bei Außenwürfen nicht kann. Er hat diese Technik ein paar Mal probiert, doch das Handeln war nicht sofort mit Erfolg gekrönt. Torwart-Glaube: „Ich kann das nicht!“

  • Woher will der Torwart das wissen, dass er das nicht kann?
  • Woher nimmt der Torwart die Kraft an diesem Glauben festzuhalten?
  • Welcher Fokus verhindert es, es einfach einmal auszuprobieren?

Nach Nachfragen stellt sich heraus, dass er Angst hat, den Ball ins Gesicht zu bekommen. Diese Angst ist bei Handball-Torhütern völlig legitim und doch verhindert diese mögliche Konsequenz „Angst“ ein anderes Handeln, in diesem Fall das Erlernen einer neuen Technik.

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, d.h. viele Menschen bleiben bei ihrem erlernten und bekannten Schema, auch wenn sie damit auf Dauer keinen Erfolg haben. Häufig ist die Ausrede hierfür: „Es könnte ja noch schlimmer komen!“ Wieso eigentlich?! Es könnte doch auch besser werden …

Wie verändert man nun diesen Glauben bzw. Glaubenssatz? Dem Sportler sollte bewusst werden, welche Situation mit welchem Glaubenssatz verbunden ist und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Danach kann ich Glaube und Konsequenz mit der Realität abgleichen und Korrekturen vornehmen.

Häufig reicht schon allein dieser Abgleich mit der Realität, sein Denkmuster zu überdenken und zu verändern. Denn durch das bewusste Wahrnehmen, können festgelegte Handlungsstrukturen „aufbrechen“ und es entsteht Raum für Neues.

In dem Torwart-Fall wurde allein durch das bewusste Wahrnehmen der Angst verbunden mit der Aussage „Kann ich nicht!“ ein Aha-Erlebnis geschaffen, der diese Handlungskette durchbrach und neue „Kräfte“ für neues Handeln freisetzte. Die Angst war danach nicht weg, doch der Fokus verschob sich auf die zu erlernende Technik und damit auch auf eine andere Konsequenz, nämlich „Sicherheit“.

Kleine Ursache – kleine Wirkung!
Und woran glaubst du?

PS: Artikel ist vom 20.08.2011 und wurde am 30.05.2017 überarbeitet.