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Meinung oder Mitläufer

Frisch vergnügt spielte ich am Wochenende eine Runde Golf, erfreute mich am Rasen und ließ jegliche sportliche Ambition an mir vorüberziehen. Das nahm mir anscheinend der Wettergott übel, so dass dunkle Wolken über den Platz zogen.

Nach einem für mich sensationellen Abschlag mit meinem Driver – wohlgemerkt vom Herrenabschlag – fing es an zu regnen, nein es schüttete… Wir vier hupften in unsere Regenklamotten und spielten munter weiter.

Doch nach nicht einmal 3min diskutieren wir unsere weitere Vorgehensweise, die durch ein Donnern nochmals intensiviert wurde. Wohin des Weges von der Bahn 8 ins Clubhaus oder zur sichtbaren Hütte auf die Bahn 2?

Wir entschieden uns für das naheliegendste, nämlich den Gang zur nächstgelegenen Schutzhütte. Nach meinem Kenntnisstand sind bei Gewitter die Bags weit weg von der Schutzhütte zu stellen. Das haben ich und mein Mitspieler auch getan. Leider haben das unsere anderen Mitspieler und andere Golfer nicht so gesehen. Letztendlich standen dann bei sechs Personen vier Bags in der Schutzhütte.

Gut, die Schutzhütte hatte einen Blitzableiter und wir standen auf Pflastersteinen. Das Gewitter war kein Gewitter, sondern donnerte nur friedlich vor sich hin. Doch nur einmal angenommen, es wäre tatsächlich ein schweres Gewitter gekommen? Wie hätten wir uns verhalten?

Bag wichtiger als Leben?

Ich persönlich hätte die anderen gebeten, ihre Bags aus der Hütte zu entfernen und bin mir sicher, dass mein Golffreund hier die gleiche Meinung vertreten hätte. Doch was passiert, wenn die anderen vier meinen Wunsch verweigert hätten, weil ihnen ein trockenes Bag wichtiger ist, als ihr Leben?

Sechs Menschen, vier kenne ich, zwei nicht! Im nach hinein ärgere ich mich, dass ich die Zeit nicht genutzt habe, einfach einmal die Situation zu hinterfragen. Was wäre wenn…!

Vielen ist nur wenig bewusst, was sie mit ihrer Bequemlichkeit und Sorge um materielle Dinge bewirken. Und dann wundert man sich, dass Situationen entstehen, die eine nicht mehr nachvollziehbare Eigendynamik entwickeln.

Hinzukommt, das Hinweise auf Gefahren selten gerne gehört werden. Man hat ja bekanntlich alles im Griff und „gefühlt“ schon 1000 Mal erlebt, was soll die Sorge, es passiert doch eh nix. Stimmt, zu 98 % geschieht auch nichts! Doch wenn man zu den vermeintlich 2 % gehört, kann es gefährlich werden.

Es ist und bleibt mutig, für seine Bedürfnisse einzustehen. In diesem Fall, weg mit den Bags bei Gewitter! Doch im Alltag gibt man häufig klein bei, weil der andere möglicherweise mehr Wissen & Erfahrung hat oder weil es anstrengend sein kann, für seine Bedürfnisse und Meinung einzustehen.

Eine Meinung zu haben ist mutig! Es muss dabei nicht immer um Leben und Tod gehen… Ein Gewitter, sei es in der Natur oder verbal kann daher schon ein Anfang sein.

Ich wünsche Dir einen mutigen Tag!